< Würdest du, wenn du zurück schaust alles nochmal so machen? Würdest du den Beruf nochmal wählen? >
< Yvonne Moser > Schwierig. Ich weiß schon, warum ich mir das Studium damals ausgesucht habe. Im Endeffekt haben wir alle unsere Leidenschaft zum Beruf gemacht. Also zumindest bei büro bungalow war das so. Am Ende des Tages musst du aber auch dein Geld damit verdienen. Jede Arbeit hat ihre unschönen Seiten, klar. Aber wenn die Aussichten nicht gut sind und du ständig um seine Existenz bangen muss, würde ich die Wahl des Studiengangs heute deutlich mehr hinterfragen als damals. Es ist aber auch gerade eine schwierige Zeit. Es gibt immer weniger Budget und Marketing ist immer das, was als erstes gekürzt wird. Dazu kommt, dass man wenig Wertschätzung für die Arbeit bekommt, was sich im Gehalt oder in den Honoraren ausdrückt. Generell habe ich das Gefühl, dass in unserer Gesellschaft der Stellenwert von Kommunikationsdesign nicht hoch ist. Das ist irgendwie nicht „sichtbar“ oder direkt mit Umsatz verknüpft. Dabei ist doch alles was wir sehen gestaltet. Das ist schon verrückt, wenn man da mal drüber nachdenkt. Auf jeden Fall verändert sich der Beruf jetzt. Ich glaube, es ist wichtig generell mehr auf Konzeption und Strategie zu setzen und sich eine Kreuzexpertise aufzubauen.
< Welche Fähigkeiten/Erfahrungen aus dem Studium waren rückblickend besonders wertvoll – und was hättest du dir zusätzlich gewünscht? >
< Andreas Uebele > im studium der architektur und städtebau lernt man struktur, die tiefe durchdringung von komplexen sachverhalten und einen ganzheitlichen blick auf problemstellungen. davon profitiere ich heute noch. gewünscht hätte ich mir mehr persönliche ansprache von lehrenden.
< Wie hast du den Übergang vom Studium ins Berufsleben erlebt? >
< Andreas Uebele > hochschulen sind manchmal wirklichkeitsfern und elitär. die berufliche realität war mir deshalb sehr recht.
< Gab es bestimmte Risiken oder Rückschläge in der Anfangsphase, aus denen du heute wichtige Erkenntnisse ziehst? >
< Andreas Uebele > schmerzhaft war die erkenntnis, dass man honorare versteuern muss. das geld, das reinkommt, gehört einem also nur zum teil – das war mir nicht so ganz klar, was total irre, aber im nachhinein auch total lustig ist.
< Was erwartest du von jungen Designer:innen, die sich bei dir bewerben?>
< Andreas Uebele > bewerber:innen sollten den namen unseres büros richtig schreiben, das klappt nicht immer. eine seriöse anrede, ein professionelles portfolio, kein download-link, sondern ein kleines pdf im anhang, interessante projekte und eine erkennbare persönlichkeit erhöhen die chancen.
< Was war der ausschlaggebende Punkt für die Gründung des Büro uebele? >
< Andreas Uebele > tja, ich brauchte halt geld. und was, bitteschön, hätte ich denn machen sollen? ich kann nur das: dinge schönschwätzen und kritzikratzi mit dem stift. außerdem wollte ich selbstbestimmt arbeiten und keine kompromisse bei gestalterischen entscheidungen eingehen müssen.
< Welche Fähigkeiten/Erfahrungen aus dem Studium waren rückblickend besonders wertvoll – und was hättest du dir zusätzlich gewünscht? >
< Andreas Uebele > im studium der architektur und städtebau lernt man struktur, die tiefe durchdringung von komplexen sachverhalten und einen ganzheitlichen blick auf problemstellungen. davon profitiere ich heute noch. gewünscht hätte ich mir mehr persönliche ansprache von lehrenden.
< Wenn du heute als junger Designer nochmals starten würdest: was würdest du anders machen? >
< Andreas Uebele > würde alles genauso machen: die ganzen fehler wiederholen, die arbeit zu spät beginnen, die nächte durcharbeiten, den zufall mitspielen lassen.
< Viele würde noch interessieren, was du zum Thema Selbstständigkeit gerne früher gewusst hättest. Gab es ein Big Learning oder hättest du etwas im Nachhinein anders gemacht? >
< Vivien Hoffmann > Weniger Scham und mehr Austausch. Also ich glaube, das ist die Kehrseite von diesem „Fake-It-Till-You-Make-It“ und sich so zu präsentieren. Das sich bei Instagram alle so präsentieren, als ob sie irgendwie total erfolgreich sind und alles schon verstanden habe. Gerade am Anfang ist klar, man muss sich irgendwie so präsentieren, dass Leute einen Ernst nehmen und dass man Clients an Land zieht, aber es ist halt auch voll okay, ehrlich zu sein. Gerade mit anderen Designer:innen, die vielleicht in einer ähnlichen Position sind in den Austausch zu gehen und über Pricing und Geldthemen zu sprechen. Ich weiß noch, dass ich damit am Anfang echt Schwierigkeiten hatte, weil ich gedacht habe, ich will ja nicht, dass jemand weiß, dass ich am strugglen bin. Als ich angefangen habe mit Leuten zu reden, habe ich gemerkt, es sind alle am strugglen. Keiner judged dich, dass man nicht perfekt bescheid weiß. Man kann sich gegenseitig einfach krass unterstützen und bereichern, wenn man einfach miteinander spricht.
< Würdest du, wenn du zurück schaust alles nochmal so machen? Würdest du den Beruf nochmal wählen? >
< Yvonne Moser > Schwierig. Ich weiß schon, warum ich mir das Studium damals ausgesucht habe. Im Endeffekt haben wir alle unsere Leidenschaft zum Beruf gemacht. Also zumindest bei büro bungalow war das so. Am Ende des Tages musst du aber auch dein Geld damit verdienen. Jede Arbeit hat ihre unschönen Seiten, klar. Aber wenn die Aussichten nicht gut sind und du ständig um seine Existenz bangen muss, würde ich die Wahl des Studiengangs heute deutlich mehr hinterfragen als damals. Es ist aber auch gerade eine schwierige Zeit. Es gibt immer weniger Budget und Marketing ist immer das, was als erstes gekürzt wird. Dazu kommt, dass man wenig Wertschätzung für die Arbeit bekommt, was sich im Gehalt oder in den Honoraren ausdrückt. Generell habe ich das Gefühl, dass in unserer Gesellschaft der Stellenwert von Kommunikationsdesign nicht hoch ist. Das ist irgendwie nicht „sichtbar“ oder direkt mit Umsatz verknüpft. Dabei ist doch alles was wir sehen gestaltet. Das ist schon verrückt, wenn man da mal drüber nachdenkt. Auf jeden Fall verändert sich der Beruf jetzt. Ich glaube, es ist wichtig generell mehr auf Konzeption und Strategie zu setzen und sich eine Kreuzexpertise aufzubauen.
< What do you wish you had known before graduating that would have made starting your career easier, and what advice would you give to young designers entering professional life? >
< Stephanie Specht > Learn project management and accounting so you don’t constantly worry about going bankrupt :)
< Das heißt, da bekommst du ja dann auch nichts mehr nach so zehn Jahren, wenn das ausläuft. Aber macht man das noch mit Nutzungsrechten oder macht man das wirklich nicht mehr? >
< Yvonne Moser > Also das ist ganz wild bei Lizenzen und Nutzungsrechten, da herrscht soviel Unwissen. Bei Fotograf:innen sind Bildrechte ja eigentlich Gang und Gebe. Aber wenn es ums Design geht, dann sind die Leute verwirrt, was das ist. Wir hatten da immer unsere „goldene Bibel“ vom AGD. Die erklärt, wie man seine Preise richtig kalkuliert, welchen Wert die Arbeit hat und warum es Nutzungsrechte braucht. Wir wussten am Anfang auch nicht, wie berechnen wir den Wert unserer Arbeit? Und da stand das mit den Nutzungsrechten drin. Rechtlich gesehen bist du immer Urheber:in deiner Arbeit und musst anderen das Recht einräumen, die Arbeit benutzen zu können. Es ist also eigentlich zwingend notwendig, Kund:innen Nutzungsrechte mitzugeben. Und die haben immer einen Wert, der über die reine Arbeitszeit hinausgeht. Wenn du mit mittelständischen Unternehmen oder Konzernen arbeitest, ist das eigentlich nie ein Problem. Die meisten kennen Nutzungsrechte und Lizenzen und wissen, was sie brauchen und kaufen dann entsprechend ein. Aber bei kleineren Kund:innen, bei so einem kleinen Laden oder in der Gastronomie ist es immer schwierig. Da hatten wir auch viele Projekte, bei denen wir gemerkt haben, da ist einfach nicht das Budget da. Da muss man eine Lösung finden. Wichtig ist, dass man den Wert erkennt. Man kann ja auch mit Begrenzungen oder zusätzlichen Erfolgshonoraren arbeiten, wenn am Anfang das Budget nicht da ist. Also erstmal nur 1 Jahr Nutzungsrecht vergeben oder ab x Umsatz nochmal eine Lizenzgebühr vereinbaren.
< Das heißt, du würdest empfehlen, ein Steuerbüro dazu zu ziehen? >
< Yvonne Moser > Ja, außer du hast richtig Lust Steuern zu machen – und wer von den Kreativen hat das schon. Es kostet halt auch Zeit, die für kreative Projekte dann fehlt. Eigentlich ist es bei allen Sachen, von denen man nicht wirklich einen Peil hat, ratsam, sich einmal kurz beraten zu lassen. Bei uns war zum Beispiel das Thema Rechtsform sehr groß. Sollen wir eine GbR werden? UG? Oder GmbH? Hier haben wir Input vom Steuerbüro, Anwalt und Professoren bekommen. Auch zum Thema KSK.
< Davor hätte ich so richtig Panik, dass ich irgendwas rechtlich falsch mache. >
< Yvonne Moser > Das Steuerbüro hat uns schon gesagt wenn wir was falsch gemacht haben. Wir haben einige kleine Fehler am Anfang gemacht, aber das war im Endeffekt nichts Schlimmes. Daraus haben wir für die Zukunft gelernt. Thema Versicherung ist schon ein leidiges Thema. Da sollte man sich gut informieren und auch mit anderen Selbstständigen connecten, um abzugleichen, was wirklich nötig ist. Wegen den rechtlichen Sachen, zum Beispiel GbR Gründung, haben wir direkt am Anfang mit einem Anwalt gesprochen, um die Grundlagen festzulegen. Für unsere AGBs haben wir zum Anfang das Muster vom BDG benutzt. Das kostet nicht viel und man ist für den Anfang erstmal abgesichert. Als wir immer mehr Projekte hatten und Leute eingestellt haben, haben wir unsere Verträge, Angebote, Rechnungen, AGBs etc. nochmal von einem Anwalt nochmal prüfen und überarbeiten lassen.
< Hast du abschließend irgendeinen Tipp an Studierende, die kurz vor dem Abschluss stehen? Hättest du im Nachhinein was anderes gemacht? Anything you want to spread out to the world. >
< Manuel Steiner > Just do it. Ich glaube, das Wichtigste ist wirklich, mit den ganzen Noises, die junge Leute haben, mit Erwartung von den Eltern, finanzieller Druck, Social Media, Erwartungshaltung oder aus anderen Ecken: finde was dir am meisten Spaß macht. Dann wird es da ein Weg geben. Wenn man dran bleibt, Lust drauf hat, und Ehrgeiz hat, das zu machen, dann wird da die ein oder andere Tür aufgehen, womit man auch Geld verdienen kann. Das ist das Wichtigste, was du als junge Person machen kannst. Das heißt einfach auch Sachen ausprobieren, auf die Schnauze fliegen, Sachen falsch zu machen. Unbedingt sogar. Das macht jeder. Man redet vielleicht ein bisschen zu wenig darüber. Und dann einfach weiter machen. Wenn es dann nach einem halben Jahr wieder ein bisschen was anderes, ist, dann ist es so. Dann ist es dein Weg. Es gibt nicht das Schema-F. Es gibt große Vorbilder, gerade im Design, gerade Guidelines und Richtlinien und so weiter. Aber manchmal ist es auch schön, damit zu brechen und seine eigene Nische darin zu finden. Ich glaube, das ist das Wichtigste überhaupt. Alles andere fällt dann auch leichter. Um das geht es ja letztendlich. Wir wollen ja das Leben jetzt nicht schwerer machen, sondern das Leben leichter machen am Ende des Tages.
< Was war denn deine Motivation, dass du etwas Eigenes gründen möchtest und gar nicht mehr im Industriedesign- Bereich bleiben möchtest? >
< Manuel Steiner > Was war die Motivation? Ich glaube, mit Selbstständigkeit kommt auch viel Freiheit, was für mich einfach persönlich wichtig ist. Auch Eigenverantwortung finde ich schön. Erfolge sind größere Erfolge aber auf der anderen Seite sind Misserfolge auch größere Misserfolge. Das hat mich sehr gereizt. Und dann ging die ein oder andere Tür auf. Deshalb war dann auch für mich klar, dass ich das weiter verfolge. Ich habe etwas gefunden, was natürlich ein großes Privileg ist, was mir extrem viel Spaß macht. Was sich oft gar nicht so richtig nach Arbeit anfühlt im Idealfall und dann geht man auch gerne die extra Meter. Dann fallen einem so manche Hürden auch ein bisschen leichter.
< Wie schaffst du es motiviert und inspiriert zu bleiben? >
< Andrea Ihl > Die ehrliche Antwort ist: manchmal habe ich keine andere Wahl. Mir tun Phasen, in denen ich mich nicht zur Kreativität zwinge, sehr gut. Dann gehe ich ins Kino, ins Museum, ins Theater, verreiste und führe viele Gespräche. Dann versuche ich mich und meine Fantasie „aufzuladen“. Vor jedem neuen Projekt lese ich sehr viel. Mir ist es wichtig Medien zu konsumieren, die außerhalb dessen liegen, was ich tue, d.h. Film, Fotografie, Text. Ich hatte mal einen (etwas unangenehmen) Professor während meiner Bachelor-Zeit, der immer meinte, die erstbeste Idee ist immer die schlechteste. Mal abgesehen davon, ob dies stimmt: manchmal hat man wegen mangelnder Zeit und Energie keine andere Wahl, als die erstbeste Idee zu nehmen und sie so gut wie möglich umzusetzen.
< Was war generell der Grund, warum du dich selbstständig gemacht hast? War das wirklich wegen deiner Erfahrung als Junior Grafikdesignerin oder wolltest du eh schon immer selbstständig sein? Also was deine Motivation? >
< Vivien Hoffmann > Ich glaube, es war tatsächlich diese negative Arbeitserfahrung. Ich habe schon immer viel gearbeitet seitdem ich 16 bin. Ich hatte immer irgendwelche welche Kellner Jobs, es war jetzt nicht so, dass ich keinen Bock auf Arbeit hatte. Es war einfach dieses klassische 9 to 5, für jemand anderen arbeiten, an Projekten arbeiten, die man sich nicht aussuchen kann. Ich fand es so limiting und einfach furchtbar. Ich kann mir echt nicht vorstellen, das nochmal zu machen. Ich mag es total gerne, meinen Tag selber zu strukturieren, dass ich mir spontan einen Tag frei nehmen kann, dass ich da einfach flexibel bin. Und auch für Leute arbeiten kann, für die oder mit denen ich arbeiten möchte. Es ist ein krasses Privileg, so arbeiten zu können. Das schätze ich sehr, dass das möglich ist.
< Was motiviert euch heute noch genauso wie am Anfang eurer Karriere? >
< Matter Of > Humor und Ironie während unseres gemeinsamen Arbeitsalltags.
< Also wusstest du schon immer, dass du Designerin werden willst? >
< Matteo Campostrini > Das Wort „Design“ habe ich erst im letzten Jahr der Schule gehört. Bis dahin hatte ich nur die Vorbilder meiner Eltern vor Augen: Ingenieur, Wissenschaftler. Ich war nie gut in Mathe, obwohl meine Eltern viel in Nachhilfe investiert haben. Mich haben Comics interessiert, Filme, Skateboarding. Logos, Grafiken auf Albumcovern und Plakate. Ein Kunstlehrer hat mir gesagt: „Du musst nach Bozen gehen, Design studieren.“ Ich wusste nicht einmal, was Design ist. Ohne diese Person wäre ich wahrscheinlich nie nach Bozen gegangen.
< Woher wusstest du wie viel Geld du (für einen bestimmten Job) bekommen musst/solltest? >
< Andreas Uebele > honorare kalkuliere ich damals wie heute mit einer einfachen methode: wir schreiben eine zahl auf ein papier. dann die probe: fühlt sie sich gut an? nein? darfs ein bisschen weniger sein?
< Wie hat sich das Bepreisen von Projekten zu damals verändert? >
< Andreas Uebele > früher wie heute gilt: gute arbeit von hoher qualität ist IMMER teurer als die billo-variante. manche auftraggeber wollen aber genau das: die (vermeintlich) günstige lösung. andere sehen den unterschied, die nachhaltigkeit, die qualität, die schönheit. und schönheit kostet nunmal.
< Gab es bestimmte Risiken oder Rückschläge in der Anfangsphase, aus denen du heute wichtige Erkenntnisse ziehst? >
< Andreas Uebele > schmerzhaft war die erkenntnis, dass man honorare versteuern muss. das geld, das reinkommt, gehört einem also nur zum teil – das war mir nicht so ganz klar, was total irre, aber im nachhinein auch total lustig ist.
< Ich glaube, was auch viele junge Designer:innen interessiert, ist natürlich das Thema Geld. Ich glaube, es ist schwierig und ich höre das auch immer wieder, dass viele gar nicht wissen, was kann ich eigentlich für meine kreativen Leistungen verlangen. Wie hast du das früher gemacht? Wie machst du das heute? Gibt es einen Tagessatz, an den man sich halten kann? Wie hat man einen Plan davon, was seine Arbeit wert ist? Ich habe das Gefühl, dass Price-Dumping dadurch entsteht, dass Designer:innen nicht wissen, was sie verlangen können und nicht selbstbewusst mit ihren Preisen sind. Deswegen gibt es dann immer eine Person, die es billiger macht. Hast du da irgendwie Tipps oder wie machst du das? >
< Manuel Steiner > Da hast du vollkommen recht, also das ist ein Riesenproblem. Bis heute ist das natürlich super schwierig, kreative Arbeit zu bemessen. Wie du sagst, geht es viel um Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Also ich kann nur sagen, wie ich es gemacht habe. Einerseits: ich habe keinen Tagessatz. Ich habe auch keinen Stundensatz. Klar, muss man schon mal irgendwie grob runterbrechen, was man verdienen will und sollte da auch nicht drunter kommen. Aber ich biete das Kunden nicht an. Aus Prinzip nicht, weil ich will nicht, dass Geld gegen Arbeit getauscht wird. Dann könnte ich auch angestellt sein. Dann wird auch Effizienz nicht mehr wirklich belohnt, weil dann könnte ich mir drei Stunden mehr Zeit nehmen und dann werde ich für drei Stunden mehr bezahlt, was für niemanden gut ist. Das habe ich schon mal versucht zu entkoppeln und biete immer Flat fees, also Pauschalen an. Wie du auf diese Pauschale kommst, da habe ich natürlich schon auch ein bisschen überlegt wie viel Zeit brauche ich dafür und so weiter. Aber ich habe es nicht den Kunden kommuniziert, damit da kein Verhandlungsspielraum für das Zeitliche ist, sondern das ist eher so, hier das ist das Menü und das Menü kostet das. Das finde ich wichtig, das zu entkoppeln und dann kann man auch wenn man wächst, mal mehr Menüpunkte oder eine Pauschale dazutun. Ob man dann am Ende mit mehr Geld rauskommt oder weniger, i dont know wahrscheinlich plus, minus, dasselbe. Aber man entkoppelt das so ein bisschen von der Zeit. Für mich selber war das hilfreich, das nicht als Tauschgeschäft zu sehen, sondern eher, ihr bekommt die Ergebnisse und den Prozess und mich als Partner und das kostet das. Egal wie lange wir brauchen, mehr oder weniger. Und das natürlich schon auch mit Feedbackschleifen zu koppeln. Immer maximal Feedbackschleifen anzugeben, dass man auf der sicheren Seite ist. Wenn wir noch mal eine Runde drehen wollen, dann kostet das X aber entkoppelt von der Zeit. Die richtige Höhe zu finden ist schwer. Es muss ein bisschen unangenehm sein. Einfach viel Bauchgefühl. Also es hängt natürlich vom Kunden ab, von deiner Situation und so vielen Faktoren wie Umfang des Projekts und so weiter. Irgendwann kriegt man da glaube ich ein gutes Bauchgefühl. Und dann setzt man irgendwann ein bisschen was drauf, einfach auch für Verhandlungsspielraum. Und dann Augen zu und durch.
< Ab welchem Punkt hattest du dann das Selbstbewusst sagen, jetzt kann ich mehr verlangen? Am Anfang, verlangt man noch nicht so viel wie dann später irgendwann. Gab es da einen Punkt oder hat sich das eher organisch entwickelt? >
< Manuel Steiner > Ich glaube, das entwickelt sich ganz automatisch, weil du auch älter wirst. Du wohnst nicht mehr in einer WG. Deine Kosten werden mehr. Du hast vielleicht ein eigenes Büro, du willst vielleicht nicht nur in Europa reisen. Dein Lebensstandard geht einfach ein bisschen hoch. Das passiert automatisch mit dem Alter. Mit Mitte 20 ist es nicht mehr so wie Mitte 30. Und deshalb ist es natürlich auch okay, mehr Geld zu verdienen. Dann kann ich das gar nicht mehr für den Preis anbieten, den ich vielleicht mit Anfang 20 angeboten habe. Man lernt aus verschiedenen Situationen. Ich hatte das erst vorgestern. Es ging um ein Logo, das ich für jemanden gemacht haben und das jetzt für andere Verwendungszwecke benutzt wird. Das war 2017, 2018, also schon lange her. Damals wurde das Projekt nicht zu Ende geführt. Man ging getrennte Wege. Wir haben eine Summe X ausgemacht und die Dateien ausgetauscht. Da ist der Fehler, ich habe gesagt: „Ihr könnt das für alles weiter benutzen“. Ich wollte das damals auch einfach abhaken. Dann wird bezahlt, was bis dahin geleistet wurde. Jetzt 7, 8 Jahre später, ist das Logo sehr verbreitet hier in Deutschland und jetzt dachte ich wait a minute, eigentlich war das ein vergleichsweise kleiner Betrag. Daraus lernt man natürlich. Warum schreibe ich proaktiv, dass ihr das für alles benutzen dürft? Also vorsichtig sein mit solchen Formulierungen. Am besten lernt man das natürlich, wenn man es falsch macht.
< Wie viel verdient man an so einem Buchprojekt? Und wie kalkuliert man das? >
< Matteo Campostrini > Geld einzuschätzen ist eine Kunst für sich. Es gibt einen großen Unterschied zwischen privaten Kunden und öffentlichen Auftraggebern. Private Kunden zahlen aus ihrer eigenen Tasche. Öffentliche Auftraggeber arbeiten mit Budgets, mit Bilanzen. Wenn du gut verdienen willst, ist der öffentliche Bereich oft stabiler. Ich habe bei Studio Mut gelernt: Bücher und Websites sind wie ein Auto kaufen. Du willst etwas, das funktioniert. Diese Zuverlässigkeit kostet Geld. Nicht das Design selbst, sondern die Betreuung, die Erreichbarkeit, die Erfahrung. Ich sage immer: Unter 2.000 Euro mache ich kein Projekt. Ein Buch dauert mindestens zwei Monate. Texte, Bilder, Bildbearbeitung, Druckvorbereitung, Korrekturen. Die Korrekturphase ist extrem aufwendig. Am Ende kostet ein Buch zwischen 4.000 und 6.000 Euro. Davon bleiben netto vielleicht 3.000 Euro. Für zwei Monate Arbeit ist das okay. Am Anfang hat man Angst, große Zahlen zu sagen. Aber wenn man ehrlich rechnet, merkt man, dass es gerechtfertigt ist. Ich begleite meine Kunden bis zum Druckprozess. Ich fahre zur Druckerei, kontrolliere Farben, Material, Papier.
< Ich habe das Gefühl, dass viele Designer:innen, die damit anfangen, gar nicht wissen, was sie für ihre freiberuflichen Dienste verlangen können. Was kann ich für ein Logo oder für eine Webseite verlangen? Wie hast du das früher gemacht oder wie machst du das heute? Gibt es einen Tagessatz, an dem man sich halten sollte? Gibt es irgendwelche Infos, an die man kommt? Ich glaube, dadurch entsteht Price-Dumping, weil alle nicht selbstbewusst mit ihren Preisen sind und es dann immer jemanden gibt, der es billiger macht. Also wie geht man das an? >
< Vivien Hoffmann > Das ist gar nicht so einfach. Es kommt natürlich total darauf an: wie viel Berufserfahrung hat man, welche Reputation hat man sich aufgebaut. Es ist schon klar, dass wenn man gerade aus dem Studium kommt noch nicht so viel verlangt, wie jemand der viel länger in dem Beruf arbeitet. Ich habe aber auch so undercharged, als ich angefangen habe. Ich habe mir letztens eine Rechnungen von vor 8 Jahren angeguckt. Ich habe echt gelacht, ich habe mir gedacht was hab ich da gemacht. Für 500 Euro eine komplette Identity. Was mir total geholfen hat ist mit anderen Designer:innen zu sprechen, die schon ein bisschen mehr Erfahrung haben. Dann wirklich mal jemanden ein Angebote zu schicken und zu fragen, ob man mal kurz drüber schauen kann. Da haben mir oft alle gesagt: „Hey, du kannst locker das Doppelte verlangen.“ Am Anfang hatte ich einfach Angst vor großen Zahlen, sobald irgendwas über 1000 Euro war, weil es einfach krass viel Geld damals war. Das hab ich mich nicht so richtig getraut. Charlotte Rhode hat auch ein Spreadsheet veröffentlicht, wo Gestalter*innen aus ganz Europa, ihre Rates eingetragen haben. Man kann sehen, wie lange die Person schon arbeitet, was deren Jobposition ist und was die Leute verlangen.
< Und wie gehst du dann damit um? Hast du fixe Preise oder einen Tagessatz? >
< Vivien Hoffmann > Also eigentlich mache ich immer hourly rate. Das resultiert dann in einen Tagessatz. Wenn ich Angebote schreibe, dann drösel ich immer die einzelnen Tasks auf. Also die Research Phase dauert beispielsweise zehn Stunden, die Design Phase, zwei Tage und dann schreibe ich meine hourly rate hin und rechne das dann so hoch.
< Wie legst du die Preise für deine Arbeiten fest? Woher weißt du was wie viel Geld du bekommen solltest? >
< Andrea Ihl > Oft kann man sich keine festen Stundensätze leisten, da man das annimmt, was man kriegen kann. In erster Linie zählt das Budget der Kund:innen und ihre:seine Bereitschaft zu verhandeln. Eine pauschale Antwort kann ich nicht geben, weil es von zu vielen Faktoren abhängt: Wie wichtig ist mir die Zusammenarbeit? Ist es ein Privatkunde, eine Hilfsorganisation oder ein gewerbliches Unternehmen? Wie viel Kapazitäten haben ich gerade? Wie dringend brauche ich das Geld? Und: wie schnell arbeite ich? Jede:r muss ihren:seinen Arbeitsaufwand individuell einschätzen lernen. Beispiele sind: für ein internationales Illu-Magazin, das ich sehr schätze, mir sehr viel Freiheit gibt und eine große Reichweite hat mache ich gerne mal etwas für 200€. Für eine Software-Firma mit viel Budget und einigen Korrekturschleifen gehe ich für ein großes Projekt nicht unter 3.000€.
< Kannst du von Design/Illustration allein leben? >
< Andrea Ihl > Bis jetzt habe ich von meinem Stipendium gelebt und mir mit Design/Illustration eher etwas dazu verdient. Runter gerechnet sind es ca. 500€ im Monat gewesen. Ab meinem Abschluss kann ich dank der Neuen Narrative von Design und Illustration leben, wenn ich nicht im größten Luxus.
< Habt ihr Preise an die Kund:innen angepasst? >
< Yvonne Moser > Wir haben ein Preissystem aufgebaut mithilfe von Nea Kosma. Die machen Finanzberatung für Kreative und betreuen Solo-Selbstständige, aber auch Agenturen. Wir haben uns an dem System vom AGD angelehnt, aber das war teilweise gar nicht mal so realitätsnah. Deswegen haben wir unter anderem eine Kategorisierung in Unternehmensgröße hinzugefügt. Wenn man von einer kleinen Gastro ausgeht ist natürlich klar, dass die nicht dasselbe zahlen können wie ein großer Kunde mit 5000 Angestellten auf der ganzen Welt verteilt.
< Okay, spannend. Habt ihr dann auch das Geld genau gleich aufgeteilt, oder? >
< Yvonne Moser > Ja, genau. Das haben wir immer gleich aufgeteilt. Deswegen sollte natürlich auch die Verantwortung gleich verteilt sein. Das ist aber nicht immer so einfach. Da muss man echt gucken, wie man das macht.
< Wie habt ihr euch finanziert und wie lange hat es gedauert bis ihr davon leben konntet? >
< Matter Of > Wir haben erst einmal von Erspartem gelebt. Nach ungefähr einem Jahr konnten wir davon leben.
< Wie habt ihr gelernt, eure Arbeit realistisch zu kalkulieren – zeitlich und finanziell? >
< Matter Of > Das ist ein kontinuierlicher Prozess und hat viel mit Erfahrungen zu tun. Wir haben von anderen gelernt und dann auch Unterschiedliches ausprobiert. Inflation, Kürzungen von Kulturbudgets oder auch andere gesellschaftliche Ereignisse und Faktoren bedeuten einen ständigen Wandel der Kalkulation. Wir nutzen ein Zeiterfassungsprogramm, um Übersicht zu haben und reflektieren zu können, wie wir in Zukunft kalkulieren.
< Habt ihr Tipps für faire Preisverhandlungen? >
< Matter Of > Faire Preisverhandlung hat leider viel damit zu tun, wie man wahrgenommen wird und in welcher Position man ist. Hier klare Ratschläge zu geben, könnte irreführend sein, und den Eindruck vermitteln, dass Asymmetrien einfach ausgeglichen werden könnten. Voraussetzung ist immer, dass ein Gegenüber da ist, der einem zuhört und einen respektiert. Aus Erfahrung wird einem mehr zugehört, je etablierter man ist, was natürlich jungen neuen Büros die Hebel erschwert. Zu kleinen Verbesserungen können detaillierte Angebote führen.
< Ich habe irgendwie das Gefühl, dass mehr Leute versuchen, in einem Bereich spezialisiert aufgestellt zu sein aber ich persönlich finde es schwierig, mich auf eine Sache festzulegen. Ich glaube auch, dass Interdisziplinarität immer mehr eine Rolle spielt, oder? Was sagst du? >
< Manuel Steiner > Voll. Man kann da drüber streiten, wahrscheinlich liegt die Wahrheit auch irgendwo in der Mitte, was zukunftssicherer ist oder womit man besser aufgestellt ist. Am Ende des Tages geht es, glaube ich, darum, was dir persönlich einfach am meistens Spaß macht. Es gibt natürlich Typografie-Nerds, die extrem krass und in die Vertikale gehen können. Denen links und rechts, Sachen egal sind und das ist ja auch fair. Wenn es dir Spaß macht, dann sollst du das ja auch machen. Wenn man erfolgreich sein will in Anführungsstrichen, dann ist es schon mal das erste: mach das was dir Spaß macht. Dann fällt dir das alles auch viel, viel einfacher und im Idealfall, wenn du ein bisschen Glück und Talent mitbringst, werden die Leute auf dich aufmerksam und da werden dann auch Aufträge kommen und es wird eine Nachfrage da sein. Aber wenn du jetzt eher generealistisch denkst und eher mal was ausprobieren willst und das vielleicht irgendwann alles miteinander verbinden willst, dann wär es ja quatsch zu sagen „Konzentrier dich bitte auf eine Sache und werd da ein Spezialist drin.“ Ich glaube, das ist typ-abhängig.
< Wie hast du die ersten Kunden gewonnen und welche Rolle spielen Kontakte/Beziehungen dabei? >
< Andreas Uebele > kundenakquise ist eine schöne lektion in demut: brauchen sie nicht, äh, einen katalog? oder vielleicht eine visitenkarte? nein? ähm, vielleicht … aha. ok, gut. danke trotzdem. beziehungen zu irgendwem hatte ich nämlich keine. dafür aber auch sehr wenig hemmungen.
< Welche Rolle spielen Netzwerke, Praktika und Wettbewerbe deiner Erfahrung nach beim Berufseinstieg? >
< Andreas Uebele > ja, klar: überall hingehen, sich alles anhören, miteinander reden, alles lesen, alles anschauen, überall mitmachen.
< Welche Rolle spielt euer Netzwerk für die eigene Entwicklung und den Erfolg? >
< Matter Of > Das Netzwerk spielt eine große Rolle. Einerseits ist das schön, weil wir gemeinsam mit anderen langfristig, respektvoll und eng zusammenarbeiten können. Das ist für uns sehr wichtig. Andererseits ist das zum Teil schade, da sich neue Projekte und Kund:innen nur über Empfehlungen, Connections und Netzwerk-Arbeit ergeben, und nicht einfach aufgrund guter Designarbeit.
< Wie bist du in dieser Anfangszeit an deine Kund:innen gekommen? Waren das vor allem Kontakte aus dem Studio oder hast du dir parallel schon ein eigenes Netzwerk aufgebaut? >
< Matteo Campostrini > Ganz transparent: 50–50. 50 Prozent, weil ich bei Studio Mut gearbeitet habe. Damals war Studio Mut noch klein. Ich war eine der ersten Mitarbeiter. Das war auch die Zeit, in der Instagram sehr gut funktioniert hat. Ich habe immer das Studio getaggt, und genauso hat das Studio mich getaggt. Ich war eine Zeit lang auf Instagram sehr sichtbar. Viele haben meine Projekte gesehen. Heute funktioniert das nicht mehr. Der Algorithmus ist kaputt. Aber damals war Instagram eine perfekte Plattform. Ich habe jedes Projekt sauber dokumentiert, Bücher fotografiert, gute Fotos gemacht. Die Dokumentation war immer die beste Werbung für den nächsten Kunden. Jedes Projekt, auch wenn es schlecht bezahlt war, habe ich so gut wie möglich gemacht. Das war meine Visitenkarte. Also 70 Prozent Erfahrung von Studio Mut und 50 Prozent Eigenvermarktung. Dokumentieren, publizieren, sichtbar sein.
< Und wie bist du an dieses Projekt gekommen? Sind sie auf dich zugekommen? >
< Matteo Campostrini > Ja. 2020 habe ich einen Sportverein gegründet, eine NGO. Das war ehrenamtliche Arbeit. Wir haben Sportprojekte für die Stadt Trient organisiert: Kletterkurse, Skateboardkurse, BMX-Kurse. Ich habe die gesamte visuelle Identität gemacht. Plakate, Flyer, Instagram-Animationen. Alle Projekte wurden von der Gemeinde finanziell unterstützt. Das waren politische Jugendprojekte, von jungen Leuten für junge Leute. So kam mein Kontakt zur Gemeinde. Die Gemeinde hat gemerkt: Wenn das Design gut ist, funktioniert es. Die Leute tragen die T-Shirts, erkennen die Projekte wieder. Die Museen in Trient sind alle von der Provinz oder der Gemeinde finanziert. Wenn du einmal in diesem politischen System drin bist, ergeben sich weitere Projekte. Das war die Verbindung, durch die Leute auf mich aufmerksam geworden sind.
< Woher wusstest du wie viel Geld du (für einen bestimmten Job) bekommen musst/solltest? >
< Andreas Uebele > honorare kalkuliere ich damals wie heute mit einer einfachen methode: wir schreiben eine zahl auf ein papier. dann die probe: fühlt sie sich gut an? nein? darfs ein bisschen weniger sein?
< Und wie bist du an dieses Projekt gekommen? Sind sie auf dich zugekommen? >
< Matteo Campostrini > Ja. 2020 habe ich einen Sportverein gegründet, eine NGO. Das war ehrenamtliche Arbeit. Wir haben Sportprojekte für die Stadt Trient organisiert: Kletterkurse, Skateboardkurse, BMX-Kurse. Ich habe die gesamte visuelle Identität gemacht. Plakate, Flyer, Instagram-Animationen. Alle Projekte wurden von der Gemeinde finanziell unterstützt. Das waren politische Jugendprojekte, von jungen Leuten für junge Leute. So kam mein Kontakt zur Gemeinde. Die Gemeinde hat gemerkt: Wenn das Design gut ist, funktioniert es. Die Leute tragen die T-Shirts, erkennen die Projekte wieder. Die Museen in Trient sind alle von der Provinz oder der Gemeinde finanziert. Wenn du einmal in diesem politischen System drin bist, ergeben sich weitere Projekte. Das war die Verbindung, durch die Leute auf mich aufmerksam geworden sind.
< Was waren für dich die größten organisatorischen Herausforderungen beim Aufbau des Büros – jenseits des kreativen teils? >
< Andreas Uebele > ich habe das verwalten der projekte total unterschätzt, also das anlegen von projektnummern und die korrekte, systematische bezeichnung von daten. und mir war nicht klar, dass es sinnvoll ist,verantwortung zu teilen. außerdem habe ich erst so nach und nach verstanden, dass jedes einzelne detail, von der telefonanlage über die richtige kaffeemaschine bis hin zur datensicherung nicht nur einen einfluss auf die atmosphäre im büro, sondern auch auf organisatorische belange hat.
< Wie würdest du deinen Design-Stil beschreiben und wie hast du ihn gefunden? >
< Andrea Ihl > Meinen Stil kann ich nicht beschreiben, da er einfach… ist! Manchmal finde ich ihn gut, sehr oft nicht genügend, aber es ist schwer sich von dem loszureißen, was man ist und wie man arbeitet. Die Frage des Stils kommt oft auf und ist nie einfach zu beantwortet, denn es gibt keine schnelle Lösung dafür. Es braucht Jahre, um Gewohnheiten zu entwickeln, herauszufinden, was einem liegt und gut tut, wie man die Welt betrachtet. Ich kann nur die selbe Antwort wie alle anderen geben: einfach machen
< Wie schaffst du es deinem Stil treu zu bleiben und damit Kund*innen zufrieden zu stellen? Hast du auch Arbeiten gemacht, für die du deinen Stil „verraten“ musstest? >
< Andrea Ihl > Eine relativ bekannte Musikerin hat mich in ihren Anfängen nach unterbezahlten Covern für ihre EP gefragt. Mir wurde der Auftrag als sehr offen verkauft, jedoch fand ich die Zusammenarbeit etwas unangenehm. Irgendwann bekam ich Anrufe an Sonntagabenden, in denen mir gesagt wurde, dass die Tante ja gesagt hätte, die Person auf dem Cover sollte grüne statt blaue Augen haben. Ich glaube, ich hätte etwas richtig Tolles daraus machen können, vor allem weil Albumcover zu illustrieren einer meiner Traumjobs wäre. Im Nachhinein war ich sehr enttäuscht, da die Kundin etwas sehr, in meinen Augen, Kitschiges wollte. Ihr Label hat seitdem witzigerweise einen kompletten Image-Wechsel für sie durchgeführt, der viel mehr zu meinem jetzigen Stil passen würde.