< Interview 001 >
< Name > Fons Hickmann
< Jobposition > Designer & Professor
< Based in > Berlin
< Date > 06/11/2025
< Interview 001 >
< Name > Fons Hickmann
< Jobposition > Designer & Professor
< Based in > Berlin
< Date > 06/11/2025
< ML > Gab es in deinem Studium in Düsseldorf einen Moment oder ein Projekt, das deinen beruflichen Weg entscheidend geprägt hat?
< FH > Als junger Mensch war ich voller Zweifel und hatte immer mehr Fragen als Antworten. Vielleicht kommt es ja mehr auf die Fragen an, die wir stellen können – auch an uns selbst – und weniger auf die Antworten. Wir wünschen uns zwar, dass eine Antwort ein Problem löst, aber das halte ich für eine Illusion.
< ML > Wie hast du den Übergang vom Studium ins Berufsleben erlebt?
< FH > Das war bei mir fließend. Ich habe während meines Studiums immer gearbeitet: Wohnungen renoviert, Giftmüll entsorgt, als lebender Buchstabe auf einer Druckmesse, als Clown in einer Fußgängerzone, unter Tage in einem Fotolabor ohne Tageslicht, Aushilfe im Kindergarten – und natürlich Grafikdesign.
< ML > Welche Fähigkeiten oder Erfahrungen aus dem Studium waren rückblickend besonders wertvoll – und was hättest du dir zusätzlich gewünscht?
< FH > Wir hatten ungeheuer viel Spaß. Es gibt keinen besseren Ort, Menschen zu begegnen, die total anders denken als man selbst. In diesem Zustand lernt man Toleranz und dass fremde Ideen bereichernd sein können. Ein Standpunkt ist nicht etwas, wo man stehen bleibt, sondern von dem aus man losgeht.
< ML > Welche Rolle spielte dein persönliches Portfolio in den ersten Jahren?
< FH > Mein Portfolio sah eigentlich jede Woche anders aus. Es ist eine ewige Baustelle: nie fertig, nie perfekt, immer fehlt genau das, was man gerade sucht. Man sollte sich nicht zu sehr den Kopf darüber zerbrechen. Wichtiger ist, authentisch zu sein.
< ML > Wie war das arbeiten als junger Freelancer für dich?
< FH > Es war herausfordernd, manchmal chaotisch, aber gerade das hat mich geprägt. Ich habe früh gelernt, dass Arbeit nicht nur Produktion ist, sondern auch ein Prozess des Denkens – und dass man oft erst im Tun versteht, worauf es wirklich ankommt.
< ML > Was war der ausschlaggebende Punkt für die Gründung des Studios m23?
< FH > Ein Ort, an dem Gestaltung nicht nur Dienstleistung ist, sondern Praxis des Denkens und Tuns. Ein Labor, in dem wir mit Ideen experimentieren, nicht zwingend für Profit, sondern für Relevanz. Eine großartige Zeit mit wunderbaren Menschen: Projekte entwickeln, und danach bei einem Kasten Bier ein Netz über den Schreibtisch spannen und Tischtennis spielen.
< ML > Wie hast du die ersten Kunden gewonnen und welche Rolle spielen Kontakte/Beziehungen dabei?
< FH > Ich bin kein guter Verkäufer. Ich möchte eingeladen werden – von Leuten, die ähnliche Fragen haben. Tiefe Beziehungen sind mir wichtiger als breite Netzwerke. Eine meiner ersten Kooperationen entstand Ende der 90er für das »Labor für soziale und Ästhetische Entwicklung« – mit Thorsten Nolting, mit dem ich noch heute zusammenarbeite.
< ML > Gab es bestimmte Risiken oder Rückschläge in der Anfangsphase, aus denen du heute wichtige Erkenntnisse ziehst?
< FH > Natürlich gibt es Dinge, die scheitern – aber das ist okay. Im Arbeiten ist das nicht anders als im Leben. Aus Erfolg und Scheitern kann man lernen.
< ML > Welche organisatorischen Herausforderungen gab es beim Aufbau von m23?
< FH > Ein Balanceakt zwischen Disziplin und Radikalität. Man muss Struktur schaffen, ohne die Freiheit zu ersticken.
< ML > Wie hast du damals entschieden, was ein Projekt wert ist?
< FH > Ich habe intuitiv kalkuliert. Kreative Leistung in einen Geldwert zu fassen ist nie einfach. Ideen kommen manchmal blitzschnell, manchmal muss man lange Badewannen warten. Design und Kunst lassen sich nicht immer monetarisieren – aber wir leben nun mal in einer Welt, in der es notwendig ist.
< ML > Wie hat sich das Preisdenken verändert?
< FH > Es wandelt sich ständig. Mein Lehrer Uwe Loesch sagte einmal, er habe sich von seiner ersten Plakatserie einen Mercedes gekauft. Heute freut man sich schon über eine warme Suppe. Pitches, Unterbietungen und die Erwartung an immer günstigere Arbeit haben den Markt stark verändert. Sarkasmus-Spoiler: »Graphic design is now officially declared a hobby«.
< ML > Nach welchen Kriterien entscheidest du, neue Projekte anzunehmen?
< FH > Meist stimmt die erste Emotion: passt die Atmosphäre, der Anlass, die Relevanz, das Honorar, die Lust loszulegen.
< ML > Nach welchen Kriterien wählst du Mitarbeiter:innen aus?
< FH > Menschlichkeit, Neugier, Leidenschaft, Toleranz.
< ML > Was erwartest du von jungen Designer:innen?
< FH >Gerade arbeite ich lieber allein. Ich mache ein Agentursabbatical, um wieder zu spüren, was mir wichtig ist. Das Neue ist immer da, wo wir noch nicht waren.
< ML > Empfehlungen für Absolvent:innen?
< FH > Lasst euch nicht sofort „verwerten“. Macht eigene Projekte, auch wenn niemand sie bezahlt. Lest, diskutiert, habt Zweifel. Und vergesst nicht: Glück ist mehr als Geld. Wer auf den eigenen Weg setzt, nicht auf Trends, schafft Authentisches.

< ML > Festanstellung oder Selbstständigkeit?
< FH > Es gibt kein richtig oder falsch. Für mich war Selbstständigkeit ein Reflex, meine Gestaltungsfreiheit zu wahren. Anstellung kann sinnvoll sein, wenn man im Team arbeiten oder Sicherheit möchte – falls es die heute überhaupt noch gibt.
< ML > Typische Fehler bei Berufsanfänger:innen?
< FH > Es gibt keine Fehler. »Jede Jeck is anders«. Jeder macht eigene Erfahrungen. Durch Ratschläge lernt man wenig, durch Tun sehr viel.
< ML > Netzwerke, Praktika, Wettbewerbe?
< FH > Hm, das ist eine etwas heikle Frage für mich, Weil ich ja so ziemlich alle Design Preise der Welt gewonnen habe und es dann albern klingt wenn ich sage, dass die letztlich keinen Wert haben. Aber so ist es. Praktika unbedingt machen, besser drei als keins.
< ML > Wenn du kein Designer geworden wärst?
< FH > Ich bin was ich bin.
< ML > Wenn du heute nochmal starten könntest?
< FH > Ich würde es genau so wieder machen.